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Robert E. Howard

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Robert E. Howard wurde am 22.01.1906 in Peaster, in Texas, geboren. Als er neun war, ließ sich seine Familie in Cross Plains in Texas nieder, einem kleinen Ort mit 1.500 Einwohnern. Dort verbrachte Howard den größten Teil seines Lebens.
Howard ging in Cross Plains zur Grundschule, danach in die High School in Brownwood und schließlich auf die Howard Payne Academy.
In jungen Jahren machte ihn sein frühreifer Intellekt, gerade in Texas, zum frühzeitigen Außenseiter. Eine Zeitlang blieb es ihm nicht erspart, dass er herumgestoßen wurde, doch dann, auch zweifellos aus diesem Grund verschrieb er sich dem Sport und der körperlichen Ertüchtigung. Er wurde ein bemerkenswerter Boxer und Reiter. Danach versuchte es keiner mehr, sich mit ihm anzulegen.
Als Erwachsener war er über 1,80 Meter groß und wog 90 Kilo, davon der größte Teil Muskeln, neigte aber ein bißchen zur Fettleibigkeit. Er war introvertiert, unkonventionell, launenhaft, hitzköpfig, neigte zu emotionalen Extremen, als auch zu heftigen Zuneigungen und Abneigungen.
Wie fast alle jungen Schreiber, las er, was ihm in die Hände viel. Mit den Fantasy-Schriftstellern H. P. Lovecraft und Clark Ashton Smith verband ihn eine enge Brieffreundschaft.

1925 erschienen seine ersten beiden Stories „SPEAR AND FANG“ und „THE FOREST OF VILLEFERE“ in WEIRD TALES.
WEIRD TALES, das im März 1923 begann und bis 1954 lief, war das wesentliche Magazin für Abenteuer, Horror und Fantasy mit Betonung auf übernatürliche Elemente. Viele der großen Autoren dieser Genres veröffentlichten den Hauptteil ihrer Stories in diesem Magazin. Neben Howard u.a. H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Robert Bloch, Ray Bradbury, Edmund Hamilton, Seabury Quinn, August Derleth und Fritz Leiber. WEIRD TALES war ein typisches amerikanisches großformatiges Pulp-Magazin, wie sie bis Anfang der 50er Jahre und eines der Hauptmedium der Unterhaltungsliteratur im phantastischen Bereich.

Nach seinem Studium arbeitete Howard in zahllosen Berufen, so war er Privatsekretär eines Rechtsanwaltes, Postbeamter, Hilfsarbeiter usw.
Im Jahre 1927 besuchte er das Payne College, lernte Buchhaltung und nachdem er den Kurs mit einem Diplom abgeschlossen hatte, widmete er sich ganz dem freiberuflichen Schreiben.
Howard schrieb über dieses Jahr: „Seit dem Sommer 1927 tue ich fast nichts außer Geschichten schreiben. Ich verkaufe nur einen kleinen Teil davon, doch kann ich davon leben. Vielleicht könnte ich mit etwas anderem mehr Geld verdienen, aber dann hätte ich nicht dieselbe Freiheit, und die Freiheit ist der größte Vorteil der Schreiberei.“

Im August 1928 erschien „RED SHADOWS“, die erste Story um seinen Helden SOLOMON KANE (erschienen in „TERRA FANTASY 11“)
KANE war der erste von Howards Fantasy-Helden, einem schwarzgekleideten, pistolen- und degenbewaffneten, puritanischen Abenteurer aus dem 16. Jahrhundert, ein Kämpfer für das Gute in den düsteren Winkeln Englands, Europas und Afrikas. Dort hat er es aber nicht nur mit korrupten Edelleuten, Banditen, Korsaren, Sklavenhändlern und menschenfressenden Stämmen und barbarischen Königinnen des schwarzen Kontinents zu tun, sondern auch mit Vampiren, Werwölfen, Hexen, Magier und altertümlichen Monstern und Bestien des Dschungels.
Schon in diesen oder besonders in diesen Stories zeigt sich Howards Vorliebe für versunkene Kulturen, Götter aus vergessener Zeit, barbarische Königreiche und dschungelüberwucherte Städte aus dunkler Vergangenheit.
Sieht man von den Fragmenten ab, so besteht das vorhandene SOLOMON KANE – Material aus 9 Stories und 2 Gedichten, von denen nur ein Teil zu Lebzeiten des Autors veröffentlicht wurde. Das meiste wurde erst ziemlich spät im Nachlaß von Howard entdeckt.
Lovecraft schrieb in einem Nachruf über Howard und seinen Helden Solomon Kane : „Mit diesen Geschichten begann Mr. Howard, was sich als einer der wirkungsvollsten Elemente seiner Erzählungen entpuppen sollte – die Beschreibung gewaltiger Städte aus der älteren Welt, deren Türme und Gewölbe und Labyrinthe eine Aura von Furcht und nekromantischen Grauen ausstrahlen und die schon alt waren, bevor der Mensch kam. Keiner vermochte das so wie er.“

In seiner unveröffentlichten Autobiographie, die er 1928 schrieb, berichtet Howard, dass er 1926 bereits an der KULL-Story „THE SHADOW KINGDOM“ (erschienen in TERRA FANTASY 11) arbeitete, doch die erst nach Absolvierung des Howard-Payne-College fertig stellte und verkaufte.
Sie erschien im August 1929 in WEIRD TALES, gefolgt von „THE MIRROR OF THUZAN THUNE“ (erschienen in TERRA FANTASY 29) in der Septemberausgabe des Pulp-Magazins.
Alle Kull-Stories dürften zwischen den Jahren 1926 und 1930 entstanden worden sein. Die größte Anzahl der fast zwei Dutzend Stories um König Kull von Atlantis blieben unveröffentlicht oder wurde erst später im Nachlaß des Autors entdeckt.
Das gesamte Material um diesen Howard-Helden erschien erst Jahrzehnte nach dem Tod des Autors im Jahre 1967 in einer speziellen Buchausgabe.

Zwischen 1929 und 1932 schrieb er zwanzig Stories über einen boxenden Seemann namens STEVE COSTILGAN, die in FIGHT STORIES, ACTION STORIES und JACK DEMPSEY’S FIGTH MAGAZINE erschienen. Als 1931 das kurzlebig Magazin ORIENTAL STORIES (später MAGIC CARPET) erschien, wurde STEVE COSTILGAN zu DENNIS MORGAN.
Im Jahre 1930 stand Howard bereits fest im schriftstellerischen Sattel. Seine Stories erschienen regelmäßig in WEIRD TALES, eine Serie von Boxsport-Geschichten erschien in FIGHT STORIES.
In diesem Jahr erschien auch zum ersten Mal Howards Held BRAN MAK MORN auf, der neue Aspekte der Fantasy beinhaltete, denn wir haben es hier mit keiner fiktiven Welt, sondern mit unserer eigenen Vergangenheit, Britannien zur Zeit der Römer, etwa 200 n. Chr., zu tun. In ihr führt der Piktenkönig BRAN MAK MORN einen verzweifelten und heroischen Kampf gegen die römischen Eroberer.
Auf den ersten Blicke könnte die Geschichten um diesen Helden rein historische Erzählungen sein, wenn nicht ein starkes magisches Element in allen diesen Stories um den Piktenkönig enthalten wäre.
Zu Howards Lebzeiten wurden nur drei BRAN MAK MORN – Stories veröffentlicht. Dies waren „THE LOST RACE“, „KINGS OF THE NIGHT“ und „WORMS OF THE EARTH“ (erschienen in „TERRA FANTASY 3“)

Im gleichen Jahr begann Howard auch mit einer Reihe von Abenteuergeschichten ohne Fantay-Elemente. In den kurzlebigen Magazinen ORIENTAL STORIES, MAGIC CARPET MAGAZINE und THE GOLDEN FLEECE, hatte Robert E. Howard Raum für diese rein historischen Abenteuer-Stories, u. a. seine Novellen zur Zeit der Kreuzzüge wie „THE LION OF TIBERIAS“ und „THE SOWERS OF THE THUNDER“ (beide erschienen in „TERRA FANTASY 42“) oder „TWO AGAINST TYRE“ (erschienen in „TERRA FANTASY 55“, und fand dafür eine begeisterte Leserschaft.
Zwei Jahre später, 1932, entstanden die ersten Stories um CONAN, den wohl bekanntesten Helden Howards, für den er alle anderen Fantasy-Helden fallen ließ.
Der Name Conan ist ein gebräuchlicher keltischer Name, der auch heute noch auf den britischen Inseln weit verbreitet ist.

Im März 1933 wurde die erste „THE TOWER OF THE ELEPHANT“ (erschienen in „CONAN“, Heyne Verlag) in WEIRD TALES veröffentlicht, gefolgt von „THE SLITHERING SHADOWS“ und „THE POOL OF THE BLACK ONE“ (erschienen in „CONAN DER ABENTEURER“, Heyne Verlag).
Zwischen den Jahren 1934 und 1936 erschienen noch etwa ein Dutzend weitere Stories um den cimmerianichen Barbaren. Die letzte, „RED NAILS“ (in „CONAN DER KRIEGER“, Heyne Verlag), erschien einen Monat nach seinem Tod.

Zwischen 1932 und 1934 waren die Conan-Stories seine Haupteinnahmequelle.

In einem Brief an Clark Ashton Smith schreibt Howard über seinen Helden: „Es mag phantastisch erscheinen, den Begriff ‚Realismus‘ mit Conan in Verbindung zu bringen, aber wenn man von seinen übernatürlichen Abenteuern absieht, ist er die realistischste Persönlichkeit, die ich je entwickelt habe.
Er ist einfach eine Kombination von verschiedenen Männern, die ich gekannt habe, und ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass er völlig fertig in mein Bewußtsein trat, als ich die erste Geschichte der Serie schrieb.
Irgendein Mechanismus meines Unterbewußtseins verknüpfte die hervorstechendsten Charaktereigenschaften verschiedener Boxer, Revolvermänner, Schmuggler, Arbeiter auf den Erdölfeldern, Glücksspieler und andere Arbeiter und schuf so die Persönlichkeit, die ich Conan, den Cimmerianer, nenne.“

Die Depressionszeit Anfang der 30er Jahre, die für viele Pulp-Magazine das Ende bedeuteten, konnten zwar WEIRD TALES nicht umbringen, doch blieben die Verleger des Magazins mit ihren Zahlungen weit im Rückstand, so dass sich Howard vom Fantasymarkt weitgehend abwandte und sich ab 1934 hauptsächlich auf Abenteuer- und Western-Stories spezialisierte.
Speziell mit den Western-Stories, von denen er nahezu 30 verkaufte, erhoffte er sich den Durchbruch zu den gut zahlenden Slicks, also den Hochglanzmagazinen Amerikas. Einzig und allein seinem Helden CONAN blieb er während dieser Zeit treu.

Etwa Mitte der 30er Jahren entstandenen auch die Abenteuergeschichten um FRANCIS XAVIER GORDON alias EL BORAK, wie „BLOOD OF THE GOODS“, „THE COUNTRY OF THE KNIFE“ und „SON OF THE WHITE WOLF“ (alle in „TERRA FANTASY 77“), die 1935 in den Abenteuermagazinen TOP NOTCH, COMPLETE STORIES und THRILLING ADVENTURES veröffentlicht wurden sowie um den Abenteuerhelden KIRBY O’DONNEL alias EL SHIRKUH, ein Held irisch-amerikanischer Abstammung, von dem aber nur zwei Stories, „SWORDS OF SHARAZAR“, Oktober 1934 in TOP NOTCH und „THE TREASURES OF TARTARY“, Januar 1935 in THRILLING ADVENTURES, (beiden in „TERRA FANTASY 80“) zu seinen Lebzeiten erschienen sind.
Die einzigen zwei Novellen, die Howard um den erdachten Haudegen BLACK TERENCE VULMEA aus der abenteuerlichen Zeit der Karibikpiraten, schrieb, wurden zu seinen Lebzeiten nicht mehr veröffentlicht.
„BLACK VULMEA’S VENGEANCE“ erschien 1938, zwei Jahre nach Howards Tod in dem Magazin GOLDEN FLEECE und „SWORDS OF THE RED BROTHERHOOD“ erstmals 1976 in der Buchausgabe BLACK VULMEA’S VENGEANCE

Etwa auch um diese Zeit, also um das Jahr 1934 und 1935 entstanden auch seine Horror-Stories von denen aber die meisten erst in seinem umfangreichen Manuskriptnachlaß entdeckt und zwischen 1967 und 1971 in den Magazinen WORLDS OF FANTASY, WEIRDBOOK, SPACEWAY SCIENCE FICTION, LOST FANTASIES und MAGAZINE OF HORROR veröffentlicht wurden.
Zu seinem Lebzeiten erschienen nur zwei dieser Horror-Stories, nämlich „THE HAUNTER OF THE RING“, 1934 und „BLACK CANAAN“, 1936, im Monat seines Todes in WEIRD TALES (beide Stories erschienen in „TERRA FANTASY 84“)

Für SPICY ADVENTURES schrieb Howard unter dem Pseudonym SAM WALSER leicht erotisch angehauchte Stories, die damals als ‚Pornographie‘ galten, heute kann man sie nicht einmal als schlüpfrig bezeichnen, so harmlos sind sie.
1936, wenige Monate vor seinem Tod, schrieb der Autor seine letzte Fantasy-Story „THE THUNDER RIDER“ (erschienen in „TERRA FANTASY 55“)

Howards psychische Labilität und seine starke Bindung an seine Mutter, die bereits ein Jahr lang krank gewesen war, trieben ihn bereits mehrmals an den Rand des Selbstmordes.
Als er am 11. Juni 1936 vom Ableben seiner Mutter erfuhr, setzte er sich an seine Schreibmaschine und schrieb:
ALL FLED – ALL DONE, SO LIFT ME ON MY PYRE
THE FEAST IS OVER AND THE LAMPS EXPIRE

(SO HEBT MICH AUF DEN SCHEITERHAUFEN –
ENTSCHWINDEN SAH ICH DIE GESICHTER,
DES LEBENS FEIER IST GELAUFEN,
DER TOD LÖSCHT ALLE LICHTER)
Howard ging danach hinaus und stieg in sein Auto, kurbelte die Fenster hoch, setzte sich seinen Revolver an die Schläfe und drückte ab. Er lebte noch acht Stunden, kam aber nicht mehr zu Bewußtsein und verstarb.
Howards einziger phantastischer Roman „ALMURIC“ und seine letzte CONAN-Story „RED NAILS“ erschienen erst Monate nach seinem Tod in WEIRD TALES.

Von: INGO LÖCHEL

H. P. Lovecraft

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Von Ingo Löchel

Howard Philips Lovecraft wurde am 20.08.1890 in Providence, Rhode Island, geboren und hatte alles andere als eine glückliche Jugend.
Sein Vater, Winfield Lovecraft, war ein Handlungsreisender, der entmündigt werden musste, als Lovecraft drei Jahre alt war, und fünf Jahre später im Butler Hospital in Providence an Paresis starb. Seine Mutter Sarah Susan Phillips war eine ziemlich lebensfremde und ängstliche Person.
In seiner Autobiographie, die er am 23.11.1933 schrieb, ist von dieser unglücklichen Jugend jedoch so gut wie nichts erwähnt.
Auch seine Eltern erwähnt er darin mit keinem Wort, was vielleicht auch einiges über seine Kindheit aussagt.
Den Großteil seiner Jugend lebte Lovecraft im Haus seines Großvaters mütterlicherseits, der ein kultivierter und erfolgreicher Mann war.
Lovecraft war ein schwächliches Kind, so dass er nur ein Jahr zur Schule gehen konnte.
Außerhalb seiner Familie hatte er kaum Kontakte zu anderen Menschen. Diese Jahre formten seinen Charakter.

Mit drei lauschte er begierig den bekannten Märchen. Die Märchen der Gebrüder Grimm gehörten zu seiner ersten Lektüre im Alter von vier und mit fünf geriet er in den Bann von „Tausendundeine Nacht“.
Als er sechs war, kam der junge Lovecraft durch verschiedene leichtverständlich gehaltene Jugendschriften mit der griechischen und römischen Mythologie in Berührung. Viele Stunden verbrachte er während seiner Kindheit und auch noch lange danach in der Bibliothek seines Großvaters Winfield V. Philips.
Im Alter von acht zeigte Lovecraft ein starkes Interesse an den Wissenschaften. Mit Zwölf gab er eine kleine Zeitschrift heraus, das RHODE ISLAND JOURNAL OF ASTRONOMY.
Mit 16 veröffentlichte H. P. in der TRIBUNE von Providence, monatliche Artikel über Astronomie.

Die High School konnte er einigermaßen regelmäßig besuchen. In dieser Zeit begann er auch mit dem Schreiben von unheimlichen Geschichten.
Doch „der größte Teil davon“, wie Howard sich in seiner Autobiographie schreibt, „waren Schund, und mit 18 vernichtete ich die meisten. Ein bis zwei erreichten vielleicht das Durchschnittsniveau von Groschenheften. Von allen habe ich mir nur DAS TIER IN DER HÖHLE (1905) und DER ALCHIMIST (1908) aufgehoben.“

Im Alter von 18 erkrankte H. P. schwer. Bis heute steht nicht fest, was er für eine Krankheit gewesen war. Vermutlich war es eine Art rheumatisches Fieber.
Sein Gesundheitszustand machte es ihm dadurch unmöglich ein College zu besuchen, „aber unsystematisches Lernen daheim und der Einfluß eines bemerkenswert gebildeten Onkels, eines Arztes, halfen mir, einige der ärgsten Folgen dieses Mangels auszugleichen. In den Jahren, die ich hätte auf den College verbringen sollen, wechselte ich zwischen Wissenschaft und Literatur hin und her und erwarb mir ein fundiertes Wissen in allem, was das achtzehnte Jahrhundert anging, dem ich mich seltsam zugehörig fühlte.“

Lovecraft verabscheute Tabak und Alkohol. Seine Ernährung war höchst unregelmäßig und er aß nur sehr wenig. So wog er bei einer Größe von 1,75 nur ca. 62 kg.
Normalerweise verließ er das Haus nur während der Nacht, da ging er allerdings stundenlang spazieren.
Im Jahre 1914 wurde er Mitglied der United Amateur Press Association und verstärkte seine Korrespondenz mit vielen Mitglieder der Vereinigung und begann verstärkt zu schreiben.
1916 veröffentlichte er die Story „THE ALCHIMIST“, die er 1908 geschrieben hatte, in THE UNITED AMATEUR, einer Amateurpublikation.
1915 bis 1923 gab er eine eigene Amateurpublikation mit dem Titel THE CONSERVATIVE heraus.
Von 1915 bis 1925 hatte er über hundert Artikel, Essays und Gedichte veröffentlicht, für die er aber kein Honorar bekommen hatte.

Um das Jahr 1917 begann er mit dem Schreiben von Horror – Geschichten, die ihn später so berühmt machen sollten.
Die erste dieser Stories war „THE TOMB“, die 1922 in der Amateurzeitschrift THE VAGRANT erschien. Die zweite Geschichte war „DAGON“, die aber vor „THE TOMB“ in THE VAGRANT veröffentlicht wurde.
Schon als Kind war Lovecraft fasziniert von Edgar Allan Poe gewesen. Danach entdeckte er Lord Dunsany und Arthur Machen. Diese Autoren waren zu jener Zeit auch seine großen Vorbilder.
Einige der 17 Stories, der er zwischen 1917 bis 1921 schrieb, waren rein phantastisch, ganz in der Art von Lord Dunsany, und die anderen waren unheimlich und grauenerregend und ganz Poe nachempfunden.
„Im Jahre 1919“, so schreibt H. P. in seiner Autobiographie, „gab meine Entdeckung Lord Dunsanys, durch den mir die Idee eines künstlichen Pantheons und einer Mythenwelt kam, meiner Schriftstellerei auf dem Gebiet der Gruselgeschichte gewaltigen Auftrieb. Solche Geschichten schrieb ich jetzt im größeren Umfang als jemals zuvor und danach.“

Durch seine Kontakte mit den Amateurpublikationen lernte er auch viele „Möchtegernschriftsteller“ kennen, die ihm für die Umarbeitung ihrer schriftstellerischen Ergüsse bezahlten. Für dieses „Ghost – Writing“ erhielt H. P. ein bescheidenes Honorar.
Lovecraft lebte während seines ganzen Lebens sehr bescheiden. Sein Einkommen war auch in späteren Jahren nie besonders hoch.
1919 erlitt seine Mutter einen Nervenzusammenbruch und starb im Jahre 1921, nachdem sie die letzten beiden Jahre ihres Lebens im Butler Hospital zugebracht hatte.
Nach ihrem Tod lebte Lovecraft mit seinen beiden Tanten, Mrs. Franklin C. Clark und Mrs. Edward F. Gamwell in einem Haus in Providence zusammen.
Im Alter von dreißig Jahren verbrachte er die erste Nacht außerhalb von Providence. Er war zu einem Kongreß der Amateurjournalisten nach Boston gefahren.

Lovecraft schrieb unwahrscheinlich viele Briefe. Dadurch schuf er sich sehr viele Freunde. Vermutlich hat er in seinem Leben über 100.000 Briefe geschrieben, von denen viele von August Derleth nach seinem Tod veröffentlicht wurden.
An diesen regen Briefverkehr mit H. P. erinnert sich auch sein langjähriger Freund W. Paul Cook: „Ich bezweifle, ob es je einen Menschen gab, der allgemein beliebter war, als Howard Philips Lovecraft. Die äußerst umfangreiche Korrespondenz, die er führte, war ein Grund dafür. Ich habe zuweilen in einem Brief beiläufig eine scheinbar harmlose Bemerkung gemacht, und als Antwort auf zehn bis zwölf Wörter kam der Briefträger an die Tür, dem Zusammenbruch nahe unter der Last einer Abhandlung von zwanzig bis dreißig engbeschriebenen Seiten. Alle seine Brieffreunde freuten sich wie ich über seine Briefe.“

1921 brachte Lovecrafts Freund George J. Houtain ein Magazin namens HOME BREW heraus. Houtain bat Lovecraft um ein paar Horrorstories, die er auch lieferte.
Sie erschienen unter dem Titel „GREWSOM TALES“ und Lovecraft erhielt sein erstes Honorar. Er schrieb dann noch vier weitere Geschichten für dieses Magazin, die unter dem Titel „THE LURKING FEAR“ erschienen.
Als 1923 WEIRD TALES herauskam, forderte James F. Morton, ein anderer von Lovecrafts Freunden, ihn auf, doch an dieses Magazin ein paar Erzählungen zu senden.
Auch andere seiner Freunde drängten ihn, es doch bei den professionellen Magazinen zu versuchen, doch Lovecraft war anfangs dagegen.
Schließlich sandte er zwei Stories „BLACK CAT“ und „BLACK MASK“, die jedoch beide abgelehnt wurden.
Danach schickte H. P. fünf Erzählungen an WEIRD TALES, und Edwin Baird, der Chefredakteur, kaufte alle fünf und bat um mehr Material.

Die erste in WEIRD TALES veröffentlichte Story war „DAGON“ im Oktober 1923.

Einer der ersten, die Lovecrafts Talent erkannten, war Jacob Clark Henneberger, der Eigentümer von WEIRD TALES, der ihn gern als Nachfolger von Baird als Chefredakteur gehabt hätte. Doch dazu kam es nicht. Bairds Nachfolger wurde Farnsworth Wright, der auch Lovecraft Erzählungen sehr schätzte.
Aber oft lehnte er Geschichten ab, die dann später von vielen als Lovecrafts besten Arbeiten bezeichnet wurden. Auch kam es vor, dass Wright eine Story ablehnte, um sie ein paar Monate später wieder anzufordern und dann zu kaufen.

Lovecraft war ein pedantischer und langsamer Schreiber. Er war ein Perfektionist. Daher war seine Produktion äußerst gering. Am schaffensfreudigsten war er noch in den Jahren 1924 bis 1926.
Im Jahre 1921 lernte er in Boston auf einem Amateurschriftstellerkongress Sonia Haft Greene (1883 – 1972) kennen, die um sieben Jahre älter war als er. Sie war russisch – jüdischer Abstammung und mit neun Jahren in die Staaten gekommen, geschieden und hatte eine Tochter. Sie war in New York bei einem großen Warenhaus beschäftigt. Das folgende Jahr korrespondierte Lovecraft eifrig mit ihr.

1922 wollte Lovecrafts Freund Loveman nach New York kommen. Sonia Greene erfuhr davon und lud beide zu sich nach Brooklyn ein. Lovecraft folgte der Einladung.
Ein Jahr später besuchte ihn Sonia in Providence, als sie auf einer Geschäftsreise nach Boston war.
Lovecraft schrieb ihr wöchentlich mehrere Briefe und wollte nach New York ziehen. Im März 1924 fuhr er tatsächlich hin und heiratete Sonia Greene. Lovecraft lebte nach seiner Heirat in Sonias Wohnung in Brooklyn.
Zu diesem Zeitpunkt zerschlug sich auch Hennebergers Plan, Lovecraft als Chefredakteur zu gewinnen. Sonia hatte inzwischen ihre gutbezahlte Stellung aufgegeben und ein Modegeschäft eröffnet, das aber bald wieder zugesperrt werden musste.
Lovecraft suchte einen Posten, fand aber keinen. Ihre finanziellen Schwierigkeiten wurden immer größer. Sonia wurde krank und Lovecraft begann New York zu hassen. Er sehnte sich nach seiner Heimat Providence zurück.
Seine einzige Freude zu dieser Zeit waren die wöchentlichen Zusammenkünfte im K-L-M-Klub, so genannt, da die Namen aller frühen Mitglieder entweder mit K, L oder M begannen. Meistens trafen sie sich in der Wohnung irgendeines Mitgliedes, aber ziemlich häufig in der von Frank Belknap Long, der später ein bekannter SF – Autor wurde. Sonia nahm nach ihrer Genesung einen Posten in Cincinnati an .
Lovecraft schrieb in der Zeit auch längere Erzählungen wie „THE SHUNNED HOUSE“ (1924)
In „THE HORROR AT RED HOOK“ (1925) zeigt er auch ganz offen seinen Haß auf New York. Die letzte Story, die er in New York schrieb, war „THE VAULT“, eine Geistergeschichte.
Lovecraft sehnte sich immer mehr nach Providence. Er war so deprimiert, dass er oft an Selbstmord dachte. Sein Freund W. Paul Cook erinnert sich an sein kurzes Treffen mit H. P. in New York: „Ich traf Lovecraft während seiner New Yorker Erlebnisse nur einmal. Ich hatte nur eine Stunde Zeit in der Stadt, und wir führten nur ein kurzes Gespräch. Ich hatte seine Seelenqual in seinen Briefen gespürt, und als ich mit ihm zusammentraf, lag es schmerzlich zutage, dass er unglücklich war. Ich war überzeugt, dass er den selben Zug wie ich genommen hätte, wäre ich nach Neu – England unterwegs gewesen.“
Im April 1926 kehrte Lovecraft schließlich in seine geliebte Heimatstadt Providence zurück. „Ich traf ihn nach seiner Rückkehr aus New York in Providence“, erinnert sich Cook „ehe er seine Habe noch ganz ausgepackt und in seinem Zimmer eingeräumt hatte, und er war unstrittig der glücklichste Mensch, den ich je gesehen hatte.“

Sonia versprach ihm, dass sie nachkommen würde, was sie auch tatsächlich tat. Sie arbeitete nun in New York und später dann in Chicago. Die Ehe bestand praktisch nur mehr aus Briefen und 1929 ließ sie sich schließlich von Lovecraft scheiden und zog nach Kalifornien.
Nach seiner Heimkehr nach Providence schrieb er „THE CALL OF CTHULU“, das 1928 in WEIRD TALES erschien und den berühmten Cthulhu – Mythos einleitete.
August Derleth schrieb darüber: „Die Erzählungen des Cthulhu – Mythos entstanden hauptsächlich in Lovecrafts letzter Schaffensperiode. Dem gesamten Mythos liegt eine der uralten Überlieferungen der Menschheit zugrunde – der ewigwährende Kampf der guten und bösen Mächte.“
Lovecraft schrieb in einen seiner vielen Briefen darüber: „Alle meine Geschichten, so wenig Zusammenhang sie auch untereinander aufzuweisen scheinen gründen sich auf die fundamentale Überlieferung, unsere Erde sei in grauer Vorzeit von einer Rasse bewohnt worden, die wegen gewisser Verfehlungen flüchten mussten, aber an einem anderen Ort lauert, von wo aus sie die Welt wieder in ihren Besitz nehmen will.“

Zwischen 1929 und 1935 reiste Lovecraft viel. Er fuhr nach Virginia, nach Florida und sogar nach New Orleans. Dabei besuchte er einige seiner Brieffreunde wie den Reverend Henry S. Whitehead und Edgar Hoffmann Price. 1930 reiste er nach Kanada.
Er war so aktiv wie nie zuvor. Trotzdem fühlte er sich isoliert. Meist war er deprimiert und niedergeschlagen. Dabei war er bereits ein von vielen anerkannter Schriftsteller geworden.
1931 schrieb Lovecraft „AT THE MOUNTAIN OF MADNESS“, die Wright nicht ankaufte, da sie ihm zu lang war.
„THE SHADOW OUT OF SPACE“, schrieb er drei Jahre später, war aber so entmutigt, dass er sie überhaupt nicht anbot.
Später vermittelten zwei seiner Freunde, Julius Schwartz und Donald Wandrei, beide Geschichten an ASTOUNDING, und Lovecraft bekam dafür 595 Dollar.
In seinen letzten Lebensjahren wurde Lovecraft auch außerhalb der WEIRD TALES – Leserschaft bekannt. Einige seiner Stories wurden in Anthologien veröffentlicht und Buchverleger begannen sich auch endlich für sein Werk zu interessieren.

Am 23.11.1933 schrieb Lovecraft in seiner Autobiographie, „EINIGE ANMERKUNGEN ZU EINER NULL“, über die phantastische Literatur: „Ich bin der Auffassung, dass die unheimliche Literatur ein ernst zu nehmendes Genre ist, das der besten literarischen Künstler wert ist, obwohl sie zumeist ein ziemlich eng begrenztes Gebiet ist, das nur einen kleinen Ausschnitt der unendlich vielfältigen Gemütsverfassung des Menschen spiegelt.“

1936 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Im Februar 1937 wurde er ins Spital in Providence eingeliefert. Er hatte Krebs und starb am 15.03.1937 im Alter von 46 Jahren an dieser heimtückischen Krankheit.
Sein Freund W. Paul Cook erinnert sich: „Als Howard starb, war ich viele Kilometer von Neu – England entfernt, meine Adresse war nur wenigen bekannt, und erst nach der Beerdigung wurde ich brieflich von mehreren Leuten verständigt. Ich griff in den Stapel unerledigter Post und holte nicht weniger als drei Briefe Lovecrafts hervor. Düstere Selbstvorwürfe befielen mich, als ich die Briefe vor mir ausbreitete. Für meine Stimmung war es belanglos, dass es in den Briefen nichts gab, was eine umgehende Antwort erfordert hätte. Ich hatte gegenüber einem der gediegensten Gentlemen und zuverlässigsten Freund, die ich je gekannt hatte, gelinge ausgedrückt, eine unverzeihliche Unhöflichkeit begangen.“

62 von seinen Erzählungen erschienen zu seinen Lebzeiten in professionellen Magazinen. Der große Erfolg stellte sich aber erst nach seinem Tod ein.
August Derleth und Donald Wandrei gründeten den Verlag ARKHAM HOUSE, den berühmten amerikanischen Spezialverlag für phantastische Literatur, der nicht nur nach und nach fast alle Werke Lovecrafts veröffentlichte, sondern auch vielen anderen Autoren eine Heimstatt bot.
Derleth (1909 – 1972), der seit 1925 mit Lovecraft korrespondierte, hat aber auch viele Themen und Einfälle Lovecrafts, Notizen und Fragmente von Erzählungen, die sich im Nachlaß H. P.‘s befanden, aufgegriffen und im Geiste ihres Urhebers weitergeführt.
So entstand die posthume Zusammenarbeit zwischen Lovecraft und Derleth.
Derleth setzte aber auch das Werk Lovecrafts fort, indem er selbst neue Werke schuf und dem Cthulhu – Mythos hinzufügte.

Die Werke H. P. Lovecraft in deutscher Übersetzung

1) Suhrkamp Verlag
Cthulhu – Geistergeschichten (6 Horror – Stories)
Berge des Wahnsinns (2 Horror – Stories)
Das Ding an der Schwelle(6 Horror – Stories)
Der Fall Charles Dexter Ward (2 Horror – Stories)
Die Katzen von Ulthar (6 Horror – Stories)
Stadt ohne Namen (14 Horror – Stories)
In der Gruft (20 Horror – Stories)
Azathoth (Stories, Fragmente, Prosagedichte, Essays des Autors sowie eine Auswahl aus Lovecrafts Notizbüchern)

Franz Rottensteiner: Der Einsiedler aus Providence – Lovecrafts ungewöhnliches Leben
H. P. Lovecraft / August Derleth: Die dunkle Bruderschaft (10 Horror-Stories)

2) Bastei Verlag
H. P. Lovecraft/August Derleth: Das Grauen vor der Tür (The Lurker at the Threshold)

3) Festa Verlag
Der Kosmische Schrecken, Gesammelte Werke Band 1
Namenlose Kulte, Gesammelte Werke Band 2
Das schleichende Chaos, Gesammelte Werke Band 3

Hieroglyphen

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Im Grunde waren es die Römer, die die ägyptische Schrift mit dem Wort „Hieroglyphen“ bezeichneten. Diese Bezeichnung setzt sich aus den griechischen Silben „hieros“ (heilig) und „glyphein“ (einschneiden) zusammen und bezeichnete damit jene Schriften, die überall dort verwendet wurde, wo Texte aus feierlichem Anlass in Fels geschlagen oder Gräbern hinzugefügt wurden. Die Ägypter selbst nannten ihre Schrift „medou netjer“ (Wörter der Götter). Sie verehrten Thoth, den Gott der Schrift, als ihren Erfinder.

Entwicklung der Schrift

Vor ca. 2850 v. Chr. wurden Ober- und Unterägypten zu einem einheitlichen Staat zusammengeschlossen. Für die Verwaltung eines so großen Reiches waren Steuern, Verträge und Gesetze ebenso erforderlich wie für die Weitergabe von Befehlen, zum Festhalten von Ereignissen und Erkenntnissen aus den Wissenschaften. Eine Schrift entwickelte sich.
Man nimmt allgemein an, dass es sich zunächst um eine reine Bilderschrift handelte.
Eine Bilderschrift ist eine Schrift von Bildern, in der jedes Bild für ein Wort, einen Begriff oder sogar für einen Satz steht. Die Narmer-Palette beweist, dass die ägyptische Schrift tatsächlich eine Bilderschrift war, bevor sie sich zur Hieroglyphenschrift entwickelte. Bei der Narmer-Palette handelt es sich um einen Schieferstein, der als Schminkpalette für den vordynastischen König Narmer diente. Der Name des Königs ist darauf durch zwei Bilder dargestellt: durch einen Fisch „=nar“ und einem Meißel „=mer“. Durch diese Bilderschrift wurde der Name des Königs übermittelt. Diese ursprünglich recht einfache Schrift entwickelte sich bald weiter zur ausgetüftelten Hieroglyphenschrift.

Die Hieroglyphenschrift ist eine Art Druckschrift. Es gab aber auch eine Schreibschrift, die einfacher und schneller mit einem Pinsel auf Papyrus geschrieben wurde. Diese wird nach dem griechischen Wort „hieratikos“ (priesterlich) als hieratische Schrift bezeichnet. Die hieratische Schrift, die vor allem für religiöse Texte verwendet wurde, entwickelte sich immer weiter und ähnelte am Ende fast nicht mehr der ursprünglichen Bilder-Druckschrift. Die Zeichen wurden immer mehr verkürzt, bis daraus im 8. Jahrhundert vor Chr. schließlich eine flüssig schreibbare Schrift, die demotische Schrift (vom griechischen „demos“, also „Volk“) entstand. Diese demotische Schrift wurde vorwiegend für volkssprachige Texte, also Urkunden, Bücher und Texte der staatlichen Verwaltung verwendet. Hieroglyphen benutzte man weiterhin, meist jedoch für öffentliche Inschriften, z.B. um von Heldentaten der Pharaonen zu berichten, auf Denkmälern Ereignisse der Geschichte darzustellen oder um heilige Texte auf Wänden von Tempeln und Gräbern zu schreiben.

In der Zeit von 100 v. Chr. bis 100 n. Chr. übernahm das Römische Reich nach und nach die Herrschaft in Ägypten. Schließlich begann sich auch in Ägypten das Christentum auszubreiten, mit dem auch die griechische Schrift ins Land kam. Die ägyptische Schrift wurde nun mit griechischen Buchstaben geschrieben. Später verband sich die griechische Schrift mit der demotischen und wurde zu einer neuen Schrift, dem Koptischen.
Durch die römische Herrschaft und das Christentum verloren die ägyptischen Götter, die Priester und die Pharaonen immer mehr an Bedeutung. Im Jahre 392 n. Chr. befahl das Römische Reich die Schließung aller nichtchristlichen Gotteshäuser. So wurden die Hieroglyphen überflüssig und schon bald konnte sie niemand mehr lesen.

Am 1. Juli 1798 landeten Truppen Napoleons in Ägypten und eroberten Alexandria. Kurze Zeit später eroberten sie die Hauptstadt Ägyptens, Kairo. Napoleon hatte auch Wissenschaftler und Künstler in seinem Gefolge. Ihre Aufgabe bestand darin, Kunstschätze des Landes zu sammeln und Ruinen und Tempelanlagen aufzuzeichnen, um in Europa möglichst viel über diese alte Kultur berichten zu können. Motive aus der ägyptischen Kultur wurden in Europa schnell modern. Obelisken wurden in europäische Hauptstädte gebracht und das Motiv der Sphinx oft nachgebildet. So wurde auch bald das öffentliche Interesse an der alten hieroglyphischen Schrift geweckt, die jedoch zu dieser Zeit niemand mehr lesen konnte. Viele Wissenschaftler in Europa bemühten sich vergeblich, die Hieroglyphen zu entziffern. Der wohl Bedeutendste unter ihnen war Jean Francois Champollion.

Jean Francois Champollion

Jean Francois Champollion wurde am 23.12.1790 in Figeac, einer kleinen Stadt in Südfrankreich, geboren.
Der Mutter von Jean Francois ging es am Anfang des Jahres 1790 sehr schlecht. Sie war gelähmt und kein Arzt konnte ihr helfen. Da wandte sich das Ehepaar in seiner Verzweiflung an einen Heilkundigen, der den Ruf eines Zauberers hatte. Dieser behandelte die Frau mit Kräutern und sie erholte sich tatsächlich. Dieser „Zauberer“ prophezeite dem Ehepaar noch vor dem Ende des Jahres 1790 die Geburt eines Sohnes, der ein Wunderkind mit großer Begabung und „ein Licht kommender Jahrhunderte“ sein würde. Tatsächlich konnte Jean Francois bereits als Kind Texte, die seine Mutter ihm aus der Bibel vorlas, nach einmaligem Hören auswendig wiederholen. Das machte dem Vater Angst. So verbot er der Mutter weiteres Vorlesen. Sein Sohn sollte Buchhändler werden und in die Fußstapfen seines Vaters treten. Jean las dann heimlich in der Bibel, verglich das geschriebene mit dem gesprochenen Wort und stellte Unterschiede und Übereinstimmungen fest.

Jean Francois Champollion bekam zunächst Privatunterricht in seinem Elternhaus. Dann holte ihn sein älterer Bruder nach Grenoble. Da der Bruder gerne mit Napoleons Armee nach Ägypten gezogen wäre, aber nicht genommen wurde, abonnierte er eine Zeitschrift über Ägypten. In dieser Zeitschrift fand Jean Francois das Bild eines beschrifteten Steines, den französische Soldaten 1799 in der Nähe einer Stadt westlich des Nildeltas gefunden hatten. Der Name dieser Stadt war auf arabisch „Raschid“, übersetzt Rosette. Jean Francois Champollion nahm sich im Alter von 11 Jahren vor, die Hieroglyphen auf dem Stein zu entziffern.

So fing er an, Griechisch und Latein zu lernen. Mit 12 Jahren begann er sein Studium an der Akademie der Wissenschaften in Grenoble. Er studierte Sprachen, die nach seiner Meinung mit dem Ägyptischen verwandt sein konnten. So lernte er auch chinesisch. Mit 16 Jahren ging Jean Francois nach Paris und setzte sein Studium an der Akademie von Paris fort. Im Alter von 19 Jahren kehrte er als Professor nach Grenoble zurück, um dort an der Universität Geschichte zu lehren.

Wegen Spotlieder gegen die Bourbonen wurde er nach deren Wiederbesteigung des französischen Königsthrons nach Italien verbannt. Er wurde später jedoch begnadigt und konnte nach Frankreich zurückkehren. Dort arbeitete er weiter an der Entzifferung von Hieroglyphen, bis er endlich 1822 die Texte auf dem Stein von Rosette entschlüsseln konnte.
Von Juli 1828 bis September 1829 hielt sich Champollion in Ägypten auf, um weitere Inschriften in Tempeln und Pyramiden zu entziffern. Nach seiner Rückkehr erhielt er in Paris den Lehrstuhl für ägyptische Altertumsforschung.
Im Jahre 1832 starb Jean Francois Champollion.

Der Stein von Rosette

Beim Stein von Rosette handelt es sich um eine schwarze Granittafel von 1,14 m Höhe und 0,82 m Breite. Der Stein trägt eine Inschrift in drei verschiedenen Schriften. Ein Teil ist in Hieroglyphenschrift, ein Teil in demotischer Schrift und ein Teil in Griechisch verfasst. Es handelt sich bei diesen Texten um eine Danksagung der Priester von Memphis. Die Priester hatten damit dem Pharao Ptolemäus V. ihren Dank ausdrücken wollen, der ihnen immer wohlgesonnen war. Der Text wurde 196 v. Chr. auf die Tafel geschrieben. Die Hieroglyphen und die demotische Schrift konnte man lange Zeit nicht lesen. Daher wusste man auch nicht, dass es immer sich um den gleichen Text handelte.

Die Erforschung der Hieroglyphen

Neben Champollion gab es noch weitere Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung der ägyptischen Schrift befassten:

· Thomas Young
Thomas Young (1773 bis 1829) war ein hervorragender englischer Physiker mit politischem Einfluss. Young vermutete als Erster, dass die Hieroglyphen Lautzeichen und nicht Zeichen für ganze Wörter sind. Er beschäftigte sich ein knappes Jahr mit dem Stein von Rosette, konnte jedoch die Schriften nicht entziffern.

· Carsten Niebuhr
Carsten Niebuhr war ein Däne, der in verschiedene Länder reiste, darunter auch Ägypten, und Schriften kopierte. Er arbeitete sehr sorgfältig und legte eine Tabelle von Hieroglyphen an. Diese Tabelle ist nach bildlichen, nicht nach lautsprachlichen Bedeutungen geordnet.

· Georg Zoega
Der Däne Georg Zoega lebte in Rom und wurde vom Papst gefördert. Er beschäftigte sich ebenfalls mit der Erforschung Ägyptens und schrieb ein Buch über die ägyptische Kultur, Kunst und Geschichte. Ein großer Teil des Buches befasst sich mit den Hieroglyphen. Er vermutete, dass die hieroglyphischen Schriften historische Texte enthalten. In der Schrift treten oft ovale Ringe auf, die man als Kartuschen bezeichnet. Zoega glaubte, dass in den Kartuschen religiöse Beschwörungsformeln oder Eigennamen stehen. Obwohl Zoega sich sehr intensiv mit der ägyptischen Schrift befasste, gelang auch ihm die Entzifferung nicht.

Die Entzifferung der Hieroglyphen

Champollion ging bei seiner Arbeit davon aus, dass die Texte in den drei verschiedenen Schriften auf dem Stein von Rosette den gleichen Inhalt hatten. Er verglich die Wortlängen und -stellungen und zählte die Buchstaben bzw. die Zeichen. Der griechische Text hatte 486 Wörter, der ägyptische aber 1419 Hieroglyphen. Hätte jede Hieroglyphe ein Wort bedeutet, wäre der hieroglyphische Text viel länger als der griechische. Das hätte bedeutet, dass die Texte nicht den gleichen Inhalt hatten. Daraus schloss Champollion, dass die Hieroglyphen Zeichen für einzelne Laute waren.
Im griechischen Text gab es 10 Eigennamen, z.B. Alexander. Bei dem Vergleich dieser Eigennamen in der hieroglyphischen Schreibweise fiel Champollion auf, dass für gleiche Laute verschiedene Zeichen stehen konnten. Solche Gleichlaute, Homophone genannt, gibt es auch im Deutschen, z.B. fiel / viel. Auch hier stehen verschiedene Buchstaben für gleiche Laute.
Mit seiner Arbeit kam Champollion erheblich voran, nachdem er einen Papyrus erhielt, in dem der Name Kleopatra in demotischer Schrift stand. Diesen Namen übersetzte er mit seinen erworbenen Kenntnissen in Hieroglyphen. Er wusste zu dieser Zeit nur, wie Ptolemäus in Hieroglyphen geschrieben wurde. Den Namen Kleopatra hatte er noch nicht in Hieroglyphen gefunden.
Später wurde durch eine Inschrift auf einem Obelisken bewiesen, dass er die Übersetzung des Namens richtig vorgenommen hatte. Durch die Namen Ptolemäus und Kleopatra kannte Champillon nun fünf Zeichen.

1818 fand ein englischer Sammler mit dem Namen Bankes an der Wand eines Osiristempels eine Liste der Namen von Pharaonen, die zeitlich geordnet waren. Diese Liste wurde von Ramses dem Großen angelegt. Demzufolge endete die Reihe mit seinem Namen. Vier Jahre später erhielt Champollion eine Abschrift dieser Liste. Den Namen Ramses konnte er mühelos lesen. In der Kartusche stand über der Buchstabenverbindung für „mes“ die Sonnenscheibe als Zeichen für den Sonnengott Rah.
Dadurch, dass der Name Ramses feststand, gelang es ihm, die Namen weiterer Pharaonen und damit neue Buchstaben zu entziffern. Da es mehrere Pharaonen mit dem Namen Ramses gab, fand Champollion mehrere Schreibweisen des Namens. So arbeitete er weiter, bis er 1822 die Entzifferung der Hieroglyphen abgeschlossen hatte. In einem Brief an die Akademie Francaise gab er bekannt, wie er die Namen der Pharaonen lesen konnte. Er fügte eine Tabelle mit dem Alphabet der Hieroglyphen bei. Champollion behauptete jedoch, nur die Hieroglyphen in Eigennamen entziffern zu können.
Erst später stellte sich heraus, dass ihm bereits die Entzifferung aller Hieroglyphen geglückt war.

Die Bedeutung des geschriebenen Wortes

Dem geschriebenen Wort wurde große Macht zugeschrieben. Königsnamen wurden in ein Oval, die sogenannte Königskartusche, geschrieben, um sie zu schützen. Durch die Aneinanderreihung dieser Kartuschen entstanden Königslisten. Waren in diesen Listen Namen von Pharaonen enthalten, die die späteren Herrscher für nicht würdig genug befanden, so wurden diese Namen einfach entfernt. Dies bedeutete zusammen mit der Vernichtung aller betreffenden Tempel, Denkmäler und Bauwerke die völlige Auslöschung des Pharaos aus der Geschichte. So wurde auch der Name Echnatons aus dieser Königsliste entfernt, da man seine Ansichten nach der Rückkehr zum Amun-Kult für ketzerisch erklärte.

Namen von Verstorbenen wurden in Grabschriften oft wiederholt, weil man glaubte, einen Toten durch Aussprechen seines Namens wieder lebendig machen zu können.
Ihrer Macht wegen wurden Namen sorgfältig ausgewählt. Oft war darin ein Name eines Königs oder Gottes enthalten, z.B. Amenhotep (Amun ist zufrieden) oder Tutanchamun (Lebendes Abbild des Amun).

Nur etwa 1% der Bevölkerung beherrschte die hieroglyphische Schrift, da es vieler Jahre des Studiums in Priesterschulen bedurfte, um sie zu lernen. Die dieser Schrift kundigen Schreiber hatten stets wichtige Aufgaben in der Regierung und Verwaltung inne. Da das geschriebene Wort als mächtig galt, glaubte man, dass die Schreib- und Lesekundigen über besondere Kräfte verfügten. Der Vorleser in den Tempeln, der bei den Tempelzeremonien die religiösen Texte rezitierte, wurde als eine Art Zauberer betrachtet. Die in den Tempelritualen verwendeten Texte galten als Bücher des Gottes Thoth und wurden in Tempelbibliotheken aufbewahrt.

Als Schriftträger dienten Papyrus, Tafeln aus Kalkstein, Ton oder Holz und natürlich Stein. Da die Herstellung von Papyrus sehr aufwendig war, wurde es fast nur in der Verwaltung und in Tempelanlagen verwendet. Die Schüler benutzen im Unterricht Kalkstein-, Holz- oder Tontafeln. Die Ton- und Holztafeln wurden nach Gebrauch mit einer Kalkschicht versehen, damit sie weiter verwendet werden konnten. Kalksteintafeln wurden nach Gebrauch abgeschliffen.

Besonderheiten der hieroglyphischen Schrift

Die Hieroglyphenschrift besteht aus drei Zeichenarten: den Phonogrammen (sie stehen für die Laute), den Ideogrammen (sie stehen für ganze Wörter) und den Determinativen (Deutwörter).
Etwa zwei Drittel der Hieroglyphen sind Zeichen für Laute = Phonogramme. Daneben gibt es noch Deutzeichen und bildliche Zeichen für ganze Gegenstände oder Götter. Ein Deutzeichen ist z.B. das Bildzeichen für Mann. Es steht hinter lautlich geschriebenen Männernamen, um klarzustellen, dass es sich um den Namen eines Mannes handelt.
Die Götternamen wurden auf verschiedene Weise dargestellt: entweder durch die lautliche Darstellung oder durch Symbole, z.B. ein Schakalkopf für Anubis.

Die Entzifferung wurde auch dadurch erschwert, dass es verschiedene Zeichen für den gleichen Laut gab. Daneben gab es Zeichen, die für die Verbindung aus zwei oder drei Lauten standen. Außerdem wurden die Vokale oftmals nicht geschrieben, so dass ein Wort verschiedene Bedeutungen haben konnte. Rechtschreibregeln kannten die Ägypter nicht.
Eine feste Schreibrichtung gab es auch nicht. Hieroglyphen wurden mal von oben nach unten, mal von rechts nach links, mal von links nach rechts geschrieben. Satzzeichen kannte man nicht. Den Anfang einer Zeile erkennt man immer daran, dass Tier- oder Menschengestalten zum Anfang der Zeile blicken. Das heißt, dass bei einer nach links laufenden Schrift die Figuren nach rechts schauen.

Quellennachweis
Rudolf Majonica, Das Geheimnis der Hieroglyphen
Schrödel, Mensch und Umwelt
Johann Fletcher, Die Lebenswelt der alten Ägypter

© 2003 T. R. aka Wortman

Haiku

2 Kommentare

Die kürzeste Gedichtsform der Weltliteratur besteht nur aus einer einzigen Strophe von drei Zeilen mit insgesamt nur siebzehn Silben: Das Haiku.
Es entstand aus dem Kurzgedicht (mijika uta), sinojapanisch auch Tanka genannt.

Ein Tanka besitzt immer fünf Verszeilen mit einunddreißig Silben. Wobei sich allerdings diese einunddreißig Silben wie folgt verteilen:
Die erste und dritte Verszeile hat je fünf, die zweite, vierte und fünfte Verszeile je sieben Silben. Für das klassische Tanka ergibt sich so der folgende Aufbau von 5+7+5+7+7.

Ich aber bleibe
Und werde auf Dich warten,
Bis in das Wehen
All meines schwarzen Haares
Der Rauhreif sich gesetzt hat.

(Kaiserin Iwa-no-Hime, um 350)

Die ersten drei Verszeilen (5+7+5) mit eben siebzehn Silben ergeben die Oberstrophe (kami-no-ku) oder auch Anfangsstrophe (hokku) genannt eines Tanka.
Die letzten beiden Strophen (7+7) sind die Unterstrophe (shimo-no-ku) oder auch Schlußstrophe (matsu-no-ku).

Während der Regierungszeit des Kaisers Go-Toba (1180-1238) schufen die Japaner eine zweite Form der lyrischen Aussage.
Sie nahmen nur die Oberstrophe mit den drei Verszeilen und den siebzehn Silben. So wurde das Haiku geboren.
Ein schönes Beispiel dazu stammt von Fujiwara-no-Sadaie (1164-1242):

Verstreute Blüten
Jagt vor sich her und holt ein
Der jähe Sturmwind!

Dieser Haiku besitzt noch nicht die Tiefe, der den Dreizeilern späterer Zeit eigen ist, aber die Stimmung (eine Sturmböe treibt im Herbst verwelkte Blüten vor sich her) wird von den nur siebzehn Silben eingefangen und auf die drei Zeilen verteilt, die die bis heute gültige Form darstellen: 5+7+5.

Jan Ulenbrook, der den Urtext übersetzt hat, beschreibt den Sinn des Haiku wie folgt: „Aufgabe des Haiku ist es, einen Erlebnisaugenblick so in Worte zu fassen, dass es uns, bei aller Kürze des sprachlichen Ausdrucks, dennoch auf die Wirklichkeit des ihm zugrunde liegenden Bildes hinweist und uns etwas von dessen Weltgehalt mitteilt.”
Da jeder Lebensaugenblick naturgemäß dem Strom der Zeit angehört, weist jedes Haiku ein Wort auf, welches die Zeitgebundenheit bekundet. Das sogenannte Jahreszeitenwort (kigo).
Ein Jahreszeitenwort kann entweder direkt (Frühlingsregen, Herbstwind etc.) oder indirekt (Plaumenblüte, Asternblüte etc.) die Zeit und damit die Stimmung des im Haiku dargestellten Bildes andeuten. Es soll in uns außerdem die Bild- und Gedankenzusammenhänge (renso) wachrufen, die mit der jeweiligen Jahreszeit einhergehen. Diese Zusammenhänge verleihen dem Haiku trotz seiner nur siebzehn Silben, eine Bedeutungstiefe.

Der Grund für das Jahreszeitenwort liegt im Haiku noch etwas tiefer:
Es ist der Rhythmus von Tag und Nacht, Mondlauf und Jahreszeiten, der unser Dasein bestimmt. Jedes Wesen nimmt an diesen Bildern, mit seinem ganzen Werden und Vergehen, Blühen und Welken in jedem Augenblick seines Lebens teil.
Wie sagte Goethe einmal? „Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit“.

Quelle:
Haiku, Japanische Dreizeiler
Reclam Verlag, ISBN 3-15-009690-1

@ T.R. aka Wortman

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